Wer misst, misst Mist?
In vielen Unternehmen ist das Sales & Operations Planning (S&OP) ein zentrales Steuerungsinstrument der Supply Chain. Doch so zentral es ist, so schwierig ist seine Messung. Während KPIs in der Logistik oder im Einkauf meist klar definiert sind, stößt man bei S&OP schnell an methodische und kulturelle Grenzen.
Warum sind S&OP-KPIs so umstritten?
Typische Kennzahlen wie
- Forecast Accuracy
- Plan Adherence
- Inventory Turns
- OTIF (On Time In Full)
sind zwar hilfreich, beleuchten aber nur Teilaspekte. Sie erfassen nicht, ob die beteiligten Abteilungen wirklich aligned sind. Sie sagen nichts über Vertrauen, Entscheidungsqualität oder Eskalationsverhalten.
Zudem führen harte KPIs häufig zu taktischem Verhalten: Forecasts werden absichtlich konservativ gehalten, um Genauigkeit zu simulieren. Adherence wird gemeldet, obwohl der Plan längst überholt ist.
Ein Denkfehler: S&OP als Reporting-Prozess zu betrachten.
Dabei ist S&OP vielmehr ein Lernprozess: Es geht darum, unter Unsicherheit gemeinsam zu planen, sich auf Szenarien vorzubereiten und Entscheidungen transparent zu machen. Das erfordert kontinuierliches Lernen – nicht nur Datenanalyse.
Was bedeutet das für die Praxis?
- KPIs regelmäßig hinterfragen: Nicht jede Metrik bleibt über die Zeit aussagekräftig.
- Lernkultur statt KPI-Druck: Offene Diskussionen über Fehlprognosen oder Zielabweichungen stärken den Prozess.
- Soft KPIs integrieren: Alignment-Workshops, Kommunikationseffizienz oder Eskalationszeitpunkte können ebenfalls messbar gemacht werden.
Fazit:
S&OP lebt von Menschen, nicht von Zahlen. Die richtigen Metriken können Orientierung geben – aber nur, wenn sie auch die Realität der Zusammenarbeit widerspiegeln.
Wer langfristig plant, sollte auch langfristig lernen – über S&OP, über Teams und über die Grenzen von Kennzahlen.
In unseren Weiterbildungen vermitteln wir, wie Sie S&OP strategisch aufsetzen, mit S&OE verzahnen und MPS einbinden – für eine resiliente, reaktionsfähige Supply Chain. Mögliche Kurse finden Sie hier:

