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Brauchen wir in Zeiten von KI überhaupt noch Trainer?

KI verändert nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch die Art, wie wir lernen. Wer heute eine Erklärung zu Safety Stock, S&OP oder Bestandsoptimierung benötigt, muss nicht mehr auf das nächste Seminar warten. KI kann innerhalb weniger Sekunden Zusammenhänge erklären, Beispiele entwickeln, Fragen beantworten oder individuelle Lerninhalte erstellen.

Das stellt die Weiterbildungsbranche vor eine interessante Frage: Welche Rolle spielen Trainer noch, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist? Aus unserer Sicht greift diese Frage allerdings zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, wie Lernen am besten gelingt und wie aus Wissen schließlich Handlungskompetenz wird.

Lernen ist nicht gleich Lernen

Eine interessante Unterscheidung ist die zwischen explorativem und exploitativem Lernen. Beim explorativen Lernen geht es darum, neues Terrain zu erschließen und neue Konzepte kennenzulernen. Exploitatives Lernen baut dagegen auf vorhandenem Wissen auf und zielt darauf ab, dieses zu vertiefen und besser anzuwenden.

Gerade in der beruflichen Weiterbildung ist Letzteres besonders relevant. Ein Supply Chain Planner möchte seine Forecast Accuracy verbessern, ein S&OP Manager einen bestehenden Prozess weiterentwickeln oder ein Supply Chain Manager Bestände reduzieren, ohne den Servicegrad zu gefährden. Diese Menschen beginnen nicht bei null, sondern möchten konkrete Herausforderungen in ihrem Arbeitsumfeld besser lösen.

Damit stellt sich vor allem die Frage: Welches Lernformat eignet sich für welches Lernziel?

Wissen flexibel aufbauen – aber auch einordnen

eLearning und Self-Study ermöglichen es, Wissen flexibel und im eigenen Tempo aufzubauen. KI erweitert diese Möglichkeiten nochmals erheblich: Lernende können individuelle Fragen stellen, zusätzliche Beispiele erzeugen oder sich komplexe Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven erklären lassen.

Umfassende Programme wie APICS CPIM, CSCP, CLTD oder CTSC erfüllen dabei weiterhin eine wichtige Funktion. Sie vermitteln nicht nur einzelne Methoden, sondern schaffen Struktur, ein Gesamtverständnis und eine gemeinsame Sprache für Supply Chain Management.

Gerade weil Informationen praktisch unbegrenzt verfügbar sind, wird diese Einordnung wichtiger. Die Herausforderung besteht zunehmend nicht darin, Informationen zu finden, sondern Zusammenhänge zu erkennen und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten.

Vom Wissensvermittler zum Facilitator

Damit verändert sich auch die Rolle des Trainers. Ein modernes Seminar sollte mehr leisten, als Inhalte zu präsentieren, die Teilnehmer selbst lesen oder sich von einer KI erklären lassen könnten.

Die Stärke eines erfahrenen Trainers liegt darin, Erfahrungen einzubringen, Diskussionen anzustoßen, kritische Fragen zu stellen und den Transfer auf reale Unternehmenssituationen zu unterstützen. Gerade erfahrene Supply-Chain-Professionals bringen selbst viel Wissen mit. Ein gutes Seminar nutzt diese Erfahrungen und macht den Austausch zwischen den Teilnehmern zum Bestandteil des Lernprozesses.

Der Trainer wird damit weniger zum reinen Wissensvermittler und stärker zum Facilitator eines gemeinsamen Lernprozesses.

Supply Chain erleben statt nur darüber sprechen

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Wissen und Anwendung bei Business Simulationen. Supply Chain Management ist geprägt von Zielkonflikten: Mehr Bestand kann den Servicegrad verbessern, erhöht aber das Working Capital. Größere Produktionslose können Kosten reduzieren, gleichzeitig jedoch Flexibilität und Bestände negativ beeinflussen.

KI kann diese Zusammenhänge hervorragend erklären. Es ist jedoch etwas anderes, selbst Entscheidungen treffen zu müssen und anschließend deren Konsequenzen zu erleben.

In unseren Business Simulationen übernehmen Teilnehmer Verantwortung für unterschiedliche Funktionen und sehen unmittelbar, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf andere Bereiche und auf das Gesamtergebnis haben. Theoretisches Wissen wird angewendet, diskutiert und mit Erfahrung verbunden.

Die Zukunft liegt in der Kombination

KI ist dabei aus unserer Sicht keine Konkurrenz zum Trainer, sondern ein weiteres Werkzeug. Sie kann Lerninhalte individualisieren, zusätzliche Beispiele schaffen und Trainer bei der Vorbereitung und Gestaltung von Seminaren unterstützen.

Bei PMI verbinden wir deshalb unterschiedliche Lernformen: Self-Study und eLearning für flexiblen Wissensaufbau, APICS-Zertifizierungsprogramme für Struktur und ein umfassendes Supply-Chain-Verständnis, Trainer und Gastdozenten für Erfahrung, Diskussion und Transfer sowie Business Simulationen für Lernen durch eigene Entscheidungen. KI kommt als weiterer Baustein hinzu.

Wir glauben daher nicht, dass Trainer durch KI überflüssig werden. Ihre Rolle verändert sich: weniger reine Wissensvermittlung, mehr Einordnung, Diskussion, Feedback und Anwendung.

Denn wenn Wissen jederzeit verfügbar ist, wird eine andere Frage umso wichtiger: Wie wird aus Wissen Handlungskompetenz?

Genau diese Frage wird uns bei PMI auch in den kommenden Beiträgen beschäftigen.

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